Gerrit Engelke (1890-1918)

Apassionato

Du hast durch Deinen Kuß
Mein stromvoll Blut geweckt
Und mein Gesicht warm aufgehoben aus dem Tag,
Daß mich nun uferlose große Nacht umspült,
Herwehend Glanz und Taumel.
Ein wiegend Zittern schwillt in meiner Füße Wurzeln,
Einströmen lassend Erde und Getön,
Und springt aus meiner Kniee Schreiten in die Brust
Zu meerbewegter Melodie,
Darin mein Herz, die Orgel rauscht.
Nun sich im Takte meine Sohlen heben
Und grenzenlos beseeltes Schweben
Die Glieder übergießt:
Hab ich die Arme aufgehoben,
Den Blick in Himmeldunkelblau zerstoben
Und fühl, wie meiner aufgelockten Haare Schopf
Die nachtbemalten Wolken streift,
Sternblütenkranz die Stirn umgreift,
Und tanze, tanze zu Dir hin!
Denn meiner segelwilden Sehnsucht Schauer,
All meiner Einsamkeiten Trauer,
Mein hin und her durchflutet Sein,
Und nun des sel'gen Leibes neue Lust:
Stürmt fort und fort an Deine Brust,
Will nur in Dir geborgen sein.

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