Sidonie Grünwald-Zerkowitz (1852-1907)

Der Kuß

Dein Kuß allein will mir nicht genügen!
Ein Kuß nicht mein Begehren stillt!
Trankst Du ihn je in vollen Zügen
Und empfandst noch nicht, was aus ihm quillt?

Ein Kuß - ein Blitz unter Sturmes Toben -
Ein süß Gewittern der Sinnenflut
Im tiefsten Mark, das nach unten, nach oben
Das Sein im Zickzack durchrast mit Glut.

Gewitter, das nicht sich löset in Regen ...
In den Wolken bleibt und wühlend drin schwebt ...
Und wetterleuchtend auf allen Wegen
Mit peinvollen Schauern uns durchbebt ...

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Den Kuß auf morgen nicht verschieb'

Den Kuß auf morgen nicht verschieb'!
Küß mir ihn auf der Stelle!
Gepflückt vom Strauch, gepflückt von Lieb'
Muß werden schnelle, schnelle!

Denn weg vom Strauch die Blum' verweht;
Drum pflücke sie im Blühen,
Und nach dem Kuß die Lust vergeht -
Drum küß mich rasch im Glühen!

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Webtipps:

Weitere Gedichte von Sidonie Grünwald-Zerkowitz finden Sie auf den beiden Websiten "Deutsche Liebeslyrik" von Irena Stasch (Liebeslyrik deutscher Dichter und Dichterinnen vom 16. bis 20. Jahrhundert) und "Wortblume" von Wolf Busch (Lyrik deutschsprachiger Dichterinnen vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert).