Thekla Lingen (1866-1931)

Bewilligung

Du schmiegtest dich zu meinen Füssen
Und sahst mir flehend ins Gesicht -
Ich musste deine Stirne küssen,
Die Stirne - weiter dacht ich nicht.

Da schlossest du die lieben Augen
Und bebtest wie in stiller Lust -
Ich küsste die geschlossnen Augen,
Da lag dein Kopf an meiner Brust.

So nah war mir dein Mund, der feine -
Ach, küsste, küsste ich ihn dann! ...
Mit diesem Kuss ward ich die deine,
So nahmst du mich, geliebter Mann!

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Hilf mir!

Du musst mich küssen, wie die Sonne glüht,
Hoch wie das Meer muss deine Liebe rauschen,
Wie Orgelbrausen durch die Kirche zieht,
Wie Glockenklang so stark und hehr zu lauschen.

Ich hab in dich mein ganzes Sein gesenkt,
Und wie die Erde musst du Kraft mir geben,
Zu tragen, was mir das Geschick verhängt,
In meiner eigenen Sonne Licht zu leben.

Dann findet mich der Spott der Menge nicht,
Dann lass sie schmähen und mein Thun verhöhnen -
Was ihres Alltags kalte Stimme spricht,
Soll unserer Liebe Jauchzen übertönen.

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Webttipps:

Weitere Gedichte von Thekla Lingen finden Sie auf den beiden schönen Websiten "Deutsche Liebeslyrik" von Irena Stasch (Liebeslyrik deutscher Dichter und Dichterinnen vom 16. bis 20. Jahrhundert) und "Wortblume" von Wolf Busch (Lyrik deutschsprachiger Dichterinnen vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert).

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